Aus der Reihe “Witzige Kurzgeschichten”: Frauen und Multitasking

von Stefan Thönes. Alle Rechte vorbehalten. Keine Freigabe des Textes. Handlung und Namen sind frei erfunden.

Faszinierend. Frauen & Multitasking. Genial.

Viele Frauen beherrschen echtes Multitasking. Das verdient meine Bewunderung.
Gleichzeitig Telefonieren, Rauchen, Fußnägel lackieren, Fernsehen und Dir einen
sexy Blick zuwerfen, wenn Du in den Raum kommst. Alles schon gesehen.
Dazu sind Männer definitiv nicht in der Lage. Bei den Bildern, die sich nun unweigerlich
im Kopfkino von uns Männern abspielen, sollte man Gott dafür eigentlich danken.

Wobei Rauchen und Nagellack gefährlich werden kann, man denke an die leicht
entzündlichen Dämpfe. Aber das geht jetzt ein wenig zu weit.

Auch beim Thema Multitasking kann man es allerdings übertreiben:

Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit fahre ich mit 140 Sachen gemütlich über
die Autobahn. Bis mir ein Schlangenlinien fahrender kleiner Peugeot die Überholspur
versperrt. Klasse, denke ich mir noch. Wieder ein besoffener Trottel, der es nicht
rechtzeitig vor dem Berufsverkehr nach Hause geschafft hat.

Doch weit gefehlt. Vor mir im Auto sitzt eine nicht mehr ganz so junge Dame, die
dabei ist ihr Styling nachzuholen. Die Zeit im Bad hat wohl nicht gereicht.
Das kann ja heiter werden. Weil ich nicht unbedingt wegen Nötigung angezeigt werden will,
unausgeschlafene Menschen neigen ja zu Überreaktionen, bleibe ich mit gebührendem
Abstand hinter dem Multistaskingwunder und betätige NICHT die Lichthupe.

Die Morgensonne leuchtet die Kulisse grotesk durch die Frontscheibe des Peugeots
vor mir aus. Da fängt die Tussie doch wirklich an, hektisch mit der Bürste ihre Haare zu bürsten! Zwischendurch wirft sie einen Blick in den Rückspiegel. Warum überhaupt?
“Bitte sieh’ einfach nach vorne, nach VORNE!”, denke ich mir. Schlangenlinien hoch drei.

Ich gewinne noch ein bisschen mehr Abstand. Sicher ist sicher. Jetzt scheint sie
einen Eyeliner oder so etwas zu benutzen. Mein Gott, das darf echt nicht wahr sein.
Wie will sie so überhaupt gerade Linien hinbekommen. Ich meine ihre Augenbrauen.

Rechts neben mir fährt ein schwarzer Opel Signum vorbei. Zwei Männer drin.
Rechtsüberholer! Das auch noch. Moment. Wenn das jetzt eine Zivilstreife wäre...
es ist eine Zivilstreife. Geil. Verkehrspolizei. Soll einer mal behaupten, die wären nicht
zur Stelle, wenn man sie braucht.

Auch die beiden Beamten schauen sich das Schauspiel bei Schlangenlinien
kurz von der rechten Fahrspur aus an, dann machen sie sich daran, den Peugeot
rauszuwinken. He, he. Hoffentlich sieht die Fahrerin die auch...

Eine Frage schießt mir durch den Kopf: Telefonieren im Auto ist unter Androhung
von Geldstrafe und einem Punkt in Flensburg verboten. Was ist mit Schminken?
Das ist ja wohl trotz Multitasking-Fähigkeiten der weiblichen Fraktion gefährlicher.

Gerade, als ich das denke, rauscht die Multitaskerini glatt dem Polizeiwagen hinten rein,
der sich mit winkelnder Kelle, Blaulich und dem “Bitte Folgen” Leuchtbuchstaben vor sie
gesetzt hat. Nix mitbekommen sie davon. Wahnsinn. Ausnahmen bestätigen eben die
Regel. Auch beim Multitasking. Oder?

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